Der Lehrling

Vor vielen Jahren fand in einem sehr abgelegenem, mitten in der Eiswüste des Nordpols errichtetem Haus ein wichtiges Gespräch statt.

 

„Mein Sohn, die Zeit ist reif. Du bist nun siebzehn Jahre alt, deine schulische Ausbildung beendet. Nun solltest du bei mir etwas lernen!“

 

Der Weihnachtsmann ist schließlich auch nur ein Mensch, kein eintausendjähriger Zombie. So ist mit jeder Generation auch der Konflikt um die Übergabe des Weihnachtsgeschäftes an die Nachkommen vorprogrammiert.

 

„Ich soll in die Lehre des Weihnachtsmannes gehen? Das ist doch langweilig! Wirkliche Arbeit gibt es doch nur im Winter für dich!“

„Das stimmt nicht ganz! Du weißt, ich habe immer etwas zu tun.“

„Du schreibst das ganze Jahr über Kinderbücher, das ist mir bekannt. Doch ist das nicht eher nur ein Hobby? Die Geschenke, die du zu verteilen hast, stellen deine treuen Diener her. So sieht doch das Leben ziemlich bescheiden aus. Ich möchte Bankkaufmann werden und leben wie ein normaler Mensch. Helfen werde ich dir zu Weihnachten gern, doch werde ich nicht das ganze Jahr über hier in dieser Einöde leben!“

 

So kam es, dass Klaus, der Sohn des Weihnachtsmannes, in einer Bankfiliale arbeitete. Die Jahre verstrichen. Vater und Sohn sahen sich nur jeweils im Dezember. Immer wieder flammte das selbe Gespräch auf, doch gab es nie Ergebnisse.

 

Der alte Mann machte sich große Sorgen. Wie sollte dies nur weitergehen?

 

Eines Tages, mitten im Sommer, landete neben dem Haus im Eis ein Flugzeug. Klaus stieg aus und eilte zu seinem Vater. Dieser hörte sich mit großem Erstaunen an, was sein Sohn zu sagen hatte.

 

Klaus gewann bei einem Glücksspiel viel Geld. Davon kaufte er sich dieses Flugzeug. Außerdem nahm er einige Kinderbuchautoren unter Vertrag, auch Hersteller von Kinderspielzeugen aller Art arbeiteten nun für ihn.

 

Somit stand dem Problem, das Weihnachtsgeschäft an die nächste Generation zu übergeben, nichts mehr im Wege.

 

Der Alte genoss von nun an seinen Ruhestand. Er rauchte gern, gemütlich vor dem Kamin sitzend, bekleidet mit einer ausgebeulten Jeans und einem T-Shirt, seine Pfeife. Außerdem hat er sich nach Jahrzehnten rasiert. – Nicht wiederzuerkennen!

 

Klaus arbeitet noch immer in einer Bankfiliale. Außer zu Weihnachten, da fliegt er mit seiner Propellermaschine Geschenke aus (Schlitten und Rentiere – das findet er zu altmodisch).

 

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