Unfallopfer

 

Zwei Krankenwagen kamen gleichzeitig an dem großen Tor der Unfallaufnahme an.

Doktor Sauer eilte seinen Helfern nach, den Neuzugängen entgegen.

 

„Unfallgegner. Stießen mit ihren Wagen frontal zusammen“, sagte einer der Krankenwagenfahrer. „Dieser Mann hat mehrere Knochenbrüche und einen Schock, ist bewusstlos. Der andere“, er zeigte auf den zweiten Rettungswagen, „sieht schlimmer aus – könnten Organe beschädigt sein.“

Sauer fluchte innerlich: Die Unfallaufnahme war chronisch unterbesetzt, vor allem an einem Tag wie heute, einem Sonntag.

„Okay“, befahl er kurzerhand. „Sie kümmern sich um den Mann mit den Knochenbrüchen.“ Er zeigte auf einen der Rettungsärzte, die eigentlich zur Besatzung der Krankenwagen gehörten. „Der andere Verletzte: Sofort in den OP!“

 

Doktor Sauer schwitzte. „Schließen Sie ihn an ein Dialysegerät an, ist höchste Eisenbahn!“

Seine Helfer wuselten um ihn herum.

Was mache ich nun, fragte der Arzt sich selbst. Dieser Mann hat nur eine Niere, die nun kaputt ist. Das Beste wäre ein neues Organ.

Ich kann ihn doch nicht sterben lassen!

„Schwester, sehen Sie doch mal die Spenderliste durch.“

„Derzeit gibt es keine Übereinstimmungen.“

Sauer fluchte. Doch plötzlich hatte er eine Idee.

 

„Wir sollen Herrn Roeder untersuchen? Sie wollen …“ Die Krankenschwester war entsetzt.

„Untersuchen Sie ihn! Schnellstens! Die Chance, ausgerechnet er … Sie geht gegen Null. Das wäre ein großer Zufall, schon fast ein Sechser im Lotto.“

„Er ist noch immer bewusstlos. Er kann uns kein Einverständnis geben.“

„Sehen Sie eine andere Möglichkeit?“, schnauzte Sauer.

 

Stunden später.

Doktor Sauer betrat in Begleitung einiger Schwestern das Krankenzimmer. Daniel Sommer sah auf.

„Herr Sommer. Sie haben großes Glück gehabt. Es fehlte nicht viel und Sie wären nicht mehr unter uns.

Ihr Pech war, die, man kann schon sagen, Vernichtung Ihrer einzigen Niere. Das Glück im Unglück jedoch, lässt sich kaum beschreiben: Wir hatten sofort eine Spenderniere parat, die wir Ihnen eingesetzt haben.“

Nachdenklich befühlte Sommer die Narbe, während der Arzt die Werte auf dem Krankenblatt studierte.

 

Dann wanderte die Delegation ins nächste Krankenzimmer.

Axel Roeder konnte sich kaum bewegen. Er hatte so viele Knochenbrüche, er war zu einer Gipsstatue geformt worden.

„Bedauerlicherweise mussten wir Ihnen eine Niere entfernen. Sie war nicht zu retten. Die Zweite ist allerdings völlig in Ordnung, so dass Sie in Zukunft nichts zu befürchten haben.

Sie haben großes Glück gehabt.“

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